Meerwassertemperatur
Die Wassertemperatur von Nord- und Ostsee steigt im Laufe des Jahres bis auf ein durchschnittliches Maximum von 18 Grad im August an (27). Bei wärmeren Lufttemperaturen während des Sommers liegen auch die Wassertemperaturen höher. Am höchsten sind sie in den oberflächlichen Schichten. Die Ostsee zeigt eine erheblich größere Schwankungsbreite. So kann es vorkommen, daß durch Wegdrücken der wärmeren oberen Wasserschichten bei Westwind die Temperatur innerhalb von drei Tagen von 21 auf 11 Grad abfällt, um eine Woche später schon wieder 19 Grad zu betragen. In diesem krassen Maße wurde ein solcher Wechsel jedoch nur im Sommer 1963 beobachtet.
Allgemeine Meerestherapie an Nord- und Ostsee
Eine Thalassotherapie an Nord- oder Ostsee ist angezeigt bei chronischen,Erkrankungen der Atemwege und bei bestimmten Herz-Kreislaufkrankheiten (39). Ihre Wirkung beruht einerseits auf schonenden Einflüssen wie der Ausschaltung von Luftverunreinigungen und Allergenen, andererseits auf übenden Faktoren wie der Abhärtung und der Einbeziehungen von Meeresbädern in eine Bewegungstherapie. Bei den Atemwegserkrankungen wird durch Einatmen zerstäubten Meereswassers die Sekretverflüssigung gefördert. Das in ihm enthaltene Calcium wird über die Alveolen resorbiert. Bei Meerwasserinhalationen nehmen Vitalkapazität und Sekundenkapazität zunächst ab, und zwar um so deutlicher, je stärker eine asthmatoide Komponente vorhanden ist. Nach der Inhalation sind sie anhaltend erhöht. Wegen des hohen Dampfdruckes (relativen Feuchte) der Meeresluft wird den Atemwegen weniger Wasser entzogen und durch das im Kurverlauf zu erzielende Training der physikalischen Wärmeregulation ein Schutz vor Erkältungskrankheiten bewirkt. Meeresbäder brauchen bei den Atemwegserkrankungen nicht Teil der Thalassotherapie zu sein. Die Effektivität ist im Sommer und Winter gleich. Die Wirkung bei Herz- und Kreislaufkrankheiten beruht auf einem Trainingseffekt der Gefäßregulation. Beim Hineingehen ins Meer bei Wassertemperaturen von 15 bis 22 Grad wurden an insgesamt 270 Versuchspersonen anfangs Blutdrucksteigerungen gefunden, die um so deutlicher waren, je weniger abgehärtet und je jünger die Person war (40). Der Blutdruck normalisierte sich aber bald während des Bades. Die Herzfrequenz sank etwas. Der Gefäßtonus blieb auch nach dem Bad noch über Stunden erhöht, gemessen an der Zunahme der Pulswellengeschwindigkeit und des elastischen Gefäßwiderstandes. Jede Thalassotherapie der Kreislauforgane sollte mit einer angepaßten Übungsbehandlung verbunden werden, für die Strand und Dünen ein ideales Gelände abgeben. Auch im Verlauf einer Thalassotherapie kommt es nicht zu einer kontinuierlichen Umstellung der vegetativen Reaktionen. Diese erfolgt vielmehr phasenweise, wobei es, meist nach drei Wochen, zu einer Phase schlechteren Befindens kommt. In ihr ist der Arterientonus maximal, die Ketosteroide im Harn sind vermehrt, die Eosinophilen und die Gamma-Globuline im Blutvermindert. Oft wird dieserZustand als „Kurreaktion" bezeichnet. Ihre Ursachen sind unklar. Erst nach ihr kommt es zu der erwünschten Umstellung der vegetativen Regulationen. Hierin ist die Forderung begründet, daß solche Kuren wenigstens vier Wochen dauern sollen. Als Gegenindikationen der Thalassotherapie sind Dekompensationen und entzündliche Herz-Kreislaufkrankheiten anzusehen. Ebenso sollen Patienten mit entzündlichen Krankheiten des rheumatischen Formenkreises, mit Nierenkrankheiten oder Hyperthyreose einer Meerestherapie nicht ausgesetzt werden. Gleiches gilt für jugendliche Diabetiker.
Salz und Schlick
Der Salzmantel, der sich auf der Haut nach einem Bad in der Nordsee bildet, beträgt im Mittel 1,15 g/qm bzw. etwa 2 g (24, 26). Noch nach 10 Stunden werden 20% bis 30% der Anfangsmenge gefunden. Ein Teil wird von der Haut gebunden, in der ersten Stunde nach dem Bad etwa 20%. Die größte Salzmenge fand sich in der Kniebeuge (1,7 g/qm) und über der Stirn (1,55 g/qm). Der Salzmantel fehlt natürlich dort, wo die Haut von Kleidung bedeckt war, und wird auch völlig beseitigt, wenn man sich abtrocknet. Schlick als im Meer abgelagerter Schlamm ist reich an organischen Stoffen (24) und wird mit Meerwasser verrührt und erwärmt zu Packungen verwandt, analog zum binnenländischen Fango.
Quallen
Von den oft gefürchteten Quallen gibt es in der Nordsee fünf verschiedene Arten, von denen drei Nesselwirkung besitzen (21). Diese führt zu Hautrötungen, Juckreiz,
Urticaria und Hyperhidrosis. Allgemeinerscheinungen treten nur bei Befall ausgedehnter Hautbezirke auf. Alle Erscheinungen gehen innerhalb eines Tages komplikationslos zurück.
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